Wirklich gefährlicher Gefahrgutunfall mit Feuer

Bei dem Großteil der Einsätze mit Gefahrgut ist die Gefahr nicht akut und Menschen (besonders Einsatzkräfte) werden nicht verletzt. Bei dem Einsatz gestern (27.4.2016) auf der A 10 machte das Gefahrgut seinem Namen alle Ehre. Das Szenario könnte aus einem Planspiel stammen:

  • Eine Zugmaschine mit Sattelauflieger hat einen Reifenplatzer, gerät auf die Gegenfahrbahn und kippt um
  • Sofort fängt das Fahrzeug Feuer
  • Es ist Gefahrgut an Bord, was aber erst im Lauf des Einsatzes (nach 2 Stunden) klar wird
  • Es werden giftige Dämpfe freigesetzt und 90 Einsatzkräfte müssen im Krankenhaus untersucht werden. Vier bleiben stationär.

Im Unterschied zum Planspiel sind viele Sachen hier nicht gut gelaufen bzw. dauerten lange (Das ist keine Kritik an Einsatzleitung/Einsatzkräften!):

  • Zitat rbb-online „Durch den Unfall war die Gefahrgutkennzeichnung nicht sichtbar; der Fahrer war zudem nicht ansprechbar und das Führerhaus stand bereits in Flammen.“
  • Es wurde also zwei Stunden ohne besondere Schutzausrüstung vorgegangen. Erst das Fax der Spedition machte auf die Gefahr aufmerksam
  • Erst nach 4 Stunden war der Gefahrgutexperte des Landes vor Ort
  • Beim Aufrichten von Zugmaschine und Auflieger brechen beide auch noch auseinander..
  • Die Polizisten bekommen erst am Abend die Anweisung ins Krankenhaus zu gehen

Nach und nach kommt raus: Der LKW hatte 3 Tonnen eines Gemisches von 7 Chemikalien an Bord, die auch noch gekühlt werden mussten. Unter anderem war das Kaliumhydrogendifluorid. Durch den Unfall und das Feuer kamen aber Reaktionen in Gang die Flourwasserstoff freisetzen, welcher beim einatmen tödlich sein kann.

Über 300 Einsatzkräfte waren bzw. sind teilweise (28.4.16 12:00) noch im Einsatz. Unter anderem wurde der LKW dekontaminiert und ein Teil der Fahrbahn muss wohl auch ausgetauscht werden.

Quellen und Links:

Karteikarte der „GESTIS“-Datenbank der BG

Wikipedia „Kaliumhydrogenfluorid“

Wikipedia „Flusssäure“

Wikipedia „Flourwasserstoff“

rbb-online „Brand des Gefahrgut-LKW“ (mit Karte und Video)

bz-online „Nach schwerem Unfall“

Videobeitrag des rbb-online (sehr zu empfehlen!)

 

Bad Aibling: Interview mit dem Wehrführer

Der Wehrführer der FF Bad Aibling Wolfram Höfler hat Rosenheim24 ein interessantes Interview gegeben. Er schildert nüchtern aber direkt die Geschehnisse während und nach dem Einsatz selbst. Psychosozialer Betreuung wird ebenfalls ein großer Wert zugemessen. Aber auch Fehler werden angesprochen (Oberleitung/Erdung). Wie schrieb ein Kamerad aus dem Feuerwehr-Forum:

Sebastian K.: “ Er kommt mit der genau richtigen Mischung aus Authentizität, Professionalität und der Sche*sslage im Hintergrund rüber.“

Finde ich auch.

Großbrand mit Durchzündung in Bunker in Hamburg

Dekontamination der Einsatzkräfte beim Bunkerbrand in Rothenburgsort (HH). (Screenshot von shz.de, selbsterstellt)

Dekontamination der Einsatzkräfte beim Bunkerbrand in Rothenburgsort (HH).
(Screenshot von shz.de, selbsterstellt)

Gestern um 4:23 (4.8.2015) wurde die Feuerwehr Hamburg in die Marckmannstraße des Stadtteils Rothenburgsort gerufen. Dort brannte es aus noch ungeklärter Ursache in einem Hochbunker aus dem zweiten Weltkrieg. Im Bunker ist eine Tischlerei auf zwei Etagen (2+3) ansässig. Als zusätzliche Gefährdung lagerte in den anderen Etagen (4+5) rund 100 Tonnen ätherischer Öle (u.a. Rosenduft).

Bei Eintreffen der ersten Kräfte waberte dichter, schwarzer Rauch über die Straße vor dem Objekt, auf den Boden gedrückt durch die Wetterlage. Sogar die Polizei trug deshalb Atemschutzmasken mit Filter! Die Feuerwehr ging zum Innenangriff vor und holte parallel alle Bewohner der Nachbarhäuser aus ihren Wohnungen (rund 400).

Während des Innenangriffes, der zwischenzeitlich scheinbar Wirkung zeigte, kam es zu einer starken Durchzündung, die Scheiben auf der anderen Straßenseite bersten ließ, Fahrräder umstürzte, Autos verrußte und Kameraden im Innenangriff zwei Etagen abstürzen ließ! 15 Kameraden wurden dabei verletzt durch Absturz, Prellungen, Rauchgasvergiftungen und Erschöpfung durch die Hitze. Sie wurden mit weiteren 28 Anwohnern vom Rettungdienst vor Ort oder im Krankenhaus behandelt (Die Anzahl der Verletzten schwankt in den verschiedenen Artikeln).

Aufgrund der Lageentwicklung wurde nach und nach auf FEU6 R (Feuer, sechster Alarm mit Großeinsatz Rettungsdienst) erhöht. Durch den extrem rußigen Rauch wurde außerdem eine Dekontaminationsstelle für die Einsatzkräfte eingerichtet. Das THW fing verschmutztes Löschwasser auf.

Die Brandbekämpfung gestaltete sich schwierig, da das Gebäude nur über zwei Zugänge und nur kleine Fenster verfügt, was die Entrauchung, die Belüftung und den Wärmeabzug erschwerte. Löschversuche durch Flutung mit Schaum schlugen ebenfalls fehl. Mittags lagen die Temperaturen im obersten Stockwerk des Bunkers immer noch bei 95°!

Der Brand war um 3 Uhr (5.8.2015) gelöscht. Ob und wann alle Bewohner zurück in ihre Wohnungen können ist noch nicht klar. Auf jeden Fall sollen alle Wohnungen frei von CO gemessen werden.

Quellen und Links:

Gigantische Flammensäule in Ritterhude

Bei dem Brand in einer Chemiefirma in Ritterhude bei Bremen wurde ein Mann schwer brandverletzt und einige weitere leicht verletzt. Die Explosion mitten in der Nacht löste den Brand aus und beschädigte dutzende Häuser schwer, drückte Fenster und Garagentore ein. Mehrere müssen wohl abgerissen werden.

Mehr als beeindruckend ist die Aufnahme einer rasanten Brandausbreitung, die alle Anwesenden erstmal flüchten lässt. Die Bewohner des Ortes wurden nun in der, eigentlich logischen, Befürchtung bestätigt, dass eine solche Firme mitten in einer Gemeinde nichts zu suchen hat..

(Bei 1:15 geht es los)

Quellen:

Moorbrand – Eine fiese Geschichte

„Moorbrand Norderstapel“. Über Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Moorbrand_Norderstapel.jpg#mediaviewer/Datei:Moorbrand_Norderstapel.jpg

„Moorbrand Norderstapel“. Über Wikipedia – http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Moorbrand_Norderstapel.jpg

 

 

 

 

 

 

Gestern gab es einen Moorbrand bei Großenwiehe (Kreis Schleswig-Flensburg). Knapp 16.000m2 (ungefähr ein Fußballfeld) fielen den Flammen zum Opfer und forderten die umliegenden Feuerwehren. Zum Glück unterstützen diverse Landwirte mit Gülleanhängern und ein Lohnunternehmer mit einem eigenen GTLF.

Schöne Bilder dazu gibt es auf Weiterlesen