Bin ich ein Gaffer ?

Als mir heute über Bildblog.de ein Artikel über eine Bildergalerie eines Busunfalles in Lohmar ins Auge fiel, war es an der Zeit diesen Artikel zu veröffentlichen.
Mehrere Male kam ich selber schon ins Grübeln wenn ich Fotos bei Einsätzen gemacht habe oder an einem Unfall vorbeikam, ob ich in dem Moment nicht auch zum „Gaffer“ werde. Beim Unfall bei Hürup kam gleich ein Feuerwehrkamerad auf mich zu und fing an mich zu beschimpfen „was das denn soll“. Nur weil ich nach dem ersten Reporter ankam. Wo ist der Unterschied zu Portalen wie wiesbaden112 (siehe unten).

Doch was ist eigentlich ein Gaffer oder Schaulustiger ? Und wo ist die Grenze vom blossen Zuschauer zum Störer ?

Begriffsklärung

Der Duden beschreibt das Wort Gaffer als

Gaf|fer, der; -s, – (abwertend): jmd., der gaffend dasteht.“

Wikipedia erklärt es:

Der Begriff wird meist auf aktive Beobachter eines Unfalls, einer Naturkatastrophe oder einer Gewalttat angewandt, die als störend und hinderlich bei notwendigen Rettungsaktionen empfunden werden und dabei oft keinen Willen zur aktiven Hilfeleistung zeigen.“

Hier zeigt sich dass das Wort „Gaffer“ eindeutig die negativen Aspekte betont, wobei „Schaulustiger“ schon durch den Wortteil „lustig“ eher das unschuldige Schauen hevorhebt. Doch leider ist es keinesfalls so dass Zuschauer unschuldig zuschauen.

Ursachen und Auswirkungen

Wer als Polizist, Feuerwehrmann oder Rettungsdienstler im Einsatz ist, weiß wie sensibel man auf Zuschauer reagiert, besonders auf Menschen die sich zu sehr der Einsatzstelle nähern oder sie gar behindern. Dies geschieht meistens jedoch nicht mit Absicht, sondern die Menschen sind fokussiert auf das Ereignis und nehmen um sich herum nichts mehr wahr.

Es ist reine Sensationsgier, das pure Interesse am Leid anderer, nur zu einem geringen Prozentsatz das wirkliche Interesse am Ablauf und der Technik selber. Durch einen Herdentrieb ziehen die Menschen auch mehr Zuschauer an.

Die Probleme die durch Gaffer verursacht werden sind kein Geheimnis:

  • Keine Rettungsgasse auf der Autobahn bilden
  • Langsamer fahren oder anhalten auf der Gegenfahrbahn um besser sehen zu können, dadurch neue Unfälle
  • Behindern von Einsatzfahrzeugen und Einsatzkräften in Straßen, auf Volksfesten
  • Unterlassung von Hilfe

Beispiel aus Schleswig-Holstein: Dabei ging es um eine schwer verletzte Frau, deren Auto brannte. Nach Angaben der Feuerwehr hatten LKW-Fahrer mit einem Feuerlöscher an Bord am Straßenrand gestanden und lediglich zugeschaut, obwohl die Einsatzkräfte sie zur Hilfe aufgefordert hatten. Sie verstarb später im Krankenhaus.

Laien oder Professionelle ?

Angestachelt wird das ganze auch noch von den Medien die inzwischen mit Prämien locken für das Erste, das Beste, das Blutigste Foto. Eine großes deutsches Boulevardblatt war dort Vorreiter mit ihren „Leserreportern„. Kaum ein Einsatz oder Ereignis wo keine Handykamera gezückt wird.

Neben den „Laien-Gaffern“ gibt es natürlich noch die professionellen Reporter und Agenturen wie Nonstopnews, Geidis-TV, Wiebold-TV oder Zeitungsreporter die mit dem Leid anderer praktisch Geld verdienen.

Oder die „Feuerwehr-Reporter“ wie zum Beispiel das Portal wiesbaden112.de oder ot112.de. Diese Seiten machen es ehrenamtlich und meistens nur wegen der Freude an der Sache (komischer Satz, aber trifft er es nicht gut ?).

Aber nimmt man als Mensch mit Feuerwehr/Hiorg-Hintergrund das wirklich anders war ? Sollte man nicht auch sehr selbstkritisch sein und sich im Zweifel sagen: „Ich würde zwar gerne schauen, aber ich fahre heute mal vorbei“ ?

Natürlich wollen die Feuerwehren auch im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit und Einsatzdokumentation Bild- und Videomaterial haben, kann man so nicht auch Fehler aufdecken. Nur sollte man sich dabei vielleicht nicht auf externe Quellen verlassen sondern eigenes Material erstellen. Ganz vorbildlich geht hier die Berliner Feuerwehr vor, die ein eigenes Presseteam einsetzt.

Pressefreiheit ?!

Leider/ Gott sei Danke leben wir in einem Rechtsstaat und dort ist die Presse besonders geschützt. Und obwohl es den Feuerwehren zuwider ist, so dass Reporter oft nicht geduldet werden, dürfen sie nicht generell behindert werden. Dies wird oft durch abschirmen mit Tüchern, Decken oder dem weiträumigen Absperren versucht.

Im Moment des Unfalles handeln sie praktisch in öffentlichem Interesse und solange Persönlichkeits- und sonstige Rechts eingehalten werden ist Fotografieren und Filmen nicht zu verbieten.

Rechtslage

Neben dem Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung steht in einigen Feuerwehrgesetzen der Bundesländer auch explizit ein Paragraph über Behinderung im Einsatz. Hier werden Geld- und Haftstrafen bis zu einem Jahr angedroht, jedoch selten ausgesprochen da niemand gefasst wird. Die Einsatzkräfte haben besseres zu tun.

In Bayern geht man noch weiter: Hier haben die Einsatzkräfte sogar das Recht, falls keine Polizei vor Ort ist Platzverweise auszusprechen und Personen von der Einsatzstelle zu entfernen.

„Soweit Polizei nicht zur Verfügung steht, können Führungsdienstgrade der Feuerwehr oder von ihnen im Einzelfall beauftragte Mannschaftsdienstgrade das Betreten der Schadensstelle und ihrer Umgebung verbieten oder Personen von dort verweisen und die Schadensstelle und den Einsatzraum der Feuerwehr sperren, wenn sonst der Einsatz behindert würde. Unmittelbarer Zwang durch körperliche Gewalt und deren Hilfsmittel darf entsprechend den Art. 58, 61 Abs. 1, 2 und 3, Art. 64 Abs. 1 Sätze 1 und 2 sowie Abs. 3 Sätze 1 und 3 des Polizeiaufgabengesetzes angewendet werden (§ 25).

Fazit

Faktisch kann man gegen Zuschauer selten effektiv etwas tun und solange sie in ausreichendem Abstand zum Geschehen stehen stören sie mich persönlich auch nicht. Ich persönlich werde immer versuchen mit gebotenem Abstand zu agieren und im Zweifelsfall nicht hinzugehen.

Weitere interessante Artikel

Zuschauereffekt Wikipedia

www.automagzin.tv

stern.de Was schockt Gaffer?

süddeutsche.de „Das Leid anderer zu filmen, ist krank“

rettungsdienst.de

Über

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Ein Kommentar zu “Bin ich ein Gaffer ?
  1. Name sagt:

    Ich denke man sollte Fotos und Berichte von Einsatzstellen den Profis der Zeitungen überlassen.

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